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Sascha Böhm Software & App
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KI & Automatisierung05. November 2026Sascha Böhm

Erst die Abläufe, dann die KI

Wie einfache Workflows schon heute Zeit, Kosten und Nerven sparen

Viele Unternehmen wollen gerade „etwas mit KI machen“. Es geht um Datenauswertungen, Prognosen und große Plattformen. Das kann sinnvoll sein. Aber nach über 30 Jahren in der Fertigung und in der Produktions-IT sehe ich immer wieder dasselbe: Das größte Potenzial liegt oft nicht in der großen KI, sondern in den kleinen Abläufen, die seit Jahren Zeit und Nerven kosten.

Ein Beispiel aus meinem Alltag: die Papierrechnung

Papierrechnungen gibt es immer noch. Bisher hieß das bei mir: scannen, Datei umbenennen, den richtigen Ordner suchen, Betrag und Absender in die Rechnungsübersicht tippen. Jedes Mal nur ein paar Minuten, aber jedes Mal lästig.

Heute lege ich die Rechnung auf das Glas meines Scanners und sage meinem Büro-Assistenten im KI-Arbeitsplatz: „Ich habe ein Dokument auf das Glas gelegt. Kannst du es scannen und ablegen?“

Der Assistent startet den Scan und fragt nach, bevor er etwas ablegt. Nach meiner Bestätigung erkennt er, dass es eine Rechnung ist, liest Absender, Datum und Betrag aus, trägt sie in die Rechnungsübersicht ein und legt das PDF im passenden Monatsordner ab.

Dafür brauchte es kein neues System und keine große Einführung. Der Scanner war schon da, die Ordnerstruktur auch. Neu sind nur ein paar kleine, gut gebaute Werkzeuge.

Warum gerade die kleinen Abläufe so viel bringen

In jedem Betrieb gibt es Aufgaben, über die niemand mehr nachdenkt, weil sie „schon immer so“ gemacht werden:

  • Lieferscheine werden abgetippt, obwohl die Daten schon digital vorliegen.
  • Prüftermine stehen in einer Excel-Liste, die nur eine Person pflegt.
  • Informationen wandern per Mail von Abteilung zu Abteilung und werden dort jeweils neu erfasst.
  • Ablagen und Dateinamen folgen keinem einheitlichen Schema, und am Ende sucht jeder.

Einzeln sind das nur Minuten. Über ein Jahr und mehrere Kollegen gerechnet kommen schnell Wochen zusammen. Dazu kommen Fehler beim Abtippen und Rückfragen zwischen den Abteilungen, und es kostet Nerven, wenn die eine Person mit der Liste krank ist.

Meine Vorgehensweise: erst klären, dann automatisieren

Bevor ich über Software oder KI spreche, schaue ich mir die Abläufe an, und zwar abteilungsübergreifend. Die meisten Reibungsverluste entstehen nicht in einer Abteilung, sondern an den Übergängen dazwischen.

  1. Abläufe sichtbar machen. Wo wird etwas doppelt erfasst? Wo laufen Excel-Listen neben dem System? Wo wartet jemand regelmäßig auf eine Information von einem Kollegen?
  2. Die Ärgernisse sammeln. Ich frage die Kollegen direkt: Was nervt euch jeden Tag? Die Antworten sind oft wertvoller als jede Analyse.
  3. Bewerten und klein anfangen. Welcher Ablauf kostet viel Zeit, lässt sich aber mit einfachen Mitteln verbessern? Damit fange ich an. Ein schneller Erfolg überzeugt mehr als jede Präsentation.
  4. Einfach umsetzen. Oft reichen vorhandene Systeme, eine saubere Schnittstelle oder ein kleines Werkzeug. Wo es sinnvoll ist, übernimmt eine KI das Lesen und Sortieren. Die Entscheidung bleibt dabei immer beim Menschen.
  5. Erst dann der nächste Schritt. Wenn die Abläufe sauber laufen und die Daten an der richtigen Stelle landen, lohnt sich der Blick auf größere Themen wie Datenauswertungen, Prognosen oder KI-Projekte. Dann stehen diese auf einem soliden Fundament.

Warum diese Reihenfolge wichtig ist

Eine Datenauswertung ist nur so gut wie die Daten, die hineinlaufen. Wenn Informationen in Excel-Listen, Mails und Papierstapeln verteilt sind, liefert auch die beste KI nur halbe Antworten. Wer zuerst die Abläufe ordnet, hat später saubere Daten, motivierte Kollegen und weiß genau, wo sich der nächste Schritt wirklich lohnt.

Fazit

Man muss nicht mit dem großen KI-Projekt anfangen. Oft ist der beste Einstieg ganz unspektakulär: ein Ablauf, der seit Jahren nervt, und eine einfache Lösung, die ihn verschwinden lässt. Das spart Zeit, Kosten und Nerven und schafft die Grundlage für alles, was danach kommt.

Welcher Ablauf kostet in Ihrem Unternehmen jeden Tag unnötig Zeit?