Bisher funktionierte mein KI-Assistent ARGUS so: Für jede Aufgabe gab es ein Werkzeug, das ich vorher programmiert hatte. Termine lesen, Mails durchsuchen, eine Teams-Karte posten. Das klappt zuverlässig. Aber es hat eine Grenze. Fragt man etwas, wofür es kein Werkzeug gibt, muss ich erst eins bauen.
Gerade bei Auswertungen ist das unpraktisch. Jede Frage an eine Excel-Tabelle ist ein bisschen anders: Ausschuss je Linie, je Schicht, je Fehlerart, Temperaturverlauf, Ausgaben je Monat. Dafür kann man nicht hundert Werkzeuge schreiben.
Also habe ich ARGUS eine Werkbank gegeben.

## Die Idee: ein abgeschotteter Rechenraum
ARGUS darf jetzt für eine Frage selbst ein kleines Python-Programm schreiben und es ausführen. Das Programm liest die Datei, rechnet, zeichnet ein Diagramm und legt bei Bedarf eine Excel-Datei an. Das Ergebnis kommt in den Chat, zusammen mit ein paar Sätzen zur Einordnung.
Ein Beispiel aus meinem Demo-Ordner:
> „Zeig mir den Verlauf der Werkzeugtemperatur aus den Messwerten. Gibt es eine Drift oder Ausreißer?“
Dann passiert Folgendes:
1. **ARGUS sucht die Datei** selbst in Google Drive. Ich muss nichts hochladen.
2. **Er merkt, dass die Temperaturen nicht auf dem ersten Blatt stehen**, sondern auf dem zweiten, und liest das richtige.
3. **Er schreibt den Code**: Mittelwert, Trendlinie, Grenzen, Ausreißer.
4. **Er liefert das Diagramm** und erklärt: leichte Drift nach oben über fünf Tage, ein deutlicher Ausreißer am 15.10. zwischen 13 und 15 Uhr.
Auf dieselbe Art entstehen ein Pareto-Diagramm der Fehlerarten, die Ausschussquote je Linie und Schicht oder eine Übersicht der Abbuchungen aus einem Kontoauszug. Jedes Mal ein anderes Programm, jedes Mal von ARGUS selbst geschrieben.

## Warum das sicher bleibt
KI-generierten Code auszuführen klingt erst einmal riskant. Deshalb läuft er nicht auf dem KI-Server, sondern in einer eigenen, abgeschotteten Umgebung:
– **Eigener Container**, getrennt vom KI-Server und den anderen Systemen.
– **Kein Internet und kein Zugriff aufs Firmennetz.** Das Programm kann nichts nachladen und nichts verschicken.
– **Keine Zugangsdaten.** Die Daten bekommt die Sandbox nur, wenn ARGUS ihr eine Datei mitgibt.
– **Zeit- und Speichergrenzen.** Eine Endlosschleife wird nach kurzer Zeit abgebrochen, jeder Lauf hat einen eigenen Arbeitsordner, der danach gelöscht wird.
Und es gibt eine klare Linie: Für eine einzelne Auswertung darf ARGUS Code schreiben. **Dauerhafte neue Werkzeuge darf er nur vorschlagen.** Ein solcher Entwurf wird gespeichert und geprüft, aber nie ausgeführt. Freischalten kann ihn nur ein Mensch.
## Was nicht auf Anhieb geklappt hat
Ehrlich gesagt hat es ein paar Anläufe gebraucht.
Das erste Modell hinter ARGUS hat lieber Zahlen aus der Datei abgetippt, statt die Datei zu öffnen. Bei 170 Buchungen ging das natürlich schief: Am Ende standen drei Empfänger im Diagramm. Ich habe dann einiges an der Technik drumherum verbessert. Die Datei kommt jetzt vollständig in die Sandbox, deutsche Zahlen wie „1.234,56“ werden gleich richtig eingelesen, und bei Excel-Dateien erfährt ARGUS, welche Blätter es gibt.
Danach habe ich den Fehler gemacht, immer mehr Vorgaben einzubauen: feste Diagrammfunktion, feste Auswertung, gesperrte Alternativen. Das hat funktioniert, aber dann hat ARGUS gar nichts mehr selbst geschrieben. Genau das sollte er ja.
Die Lösung war ein Modellvergleich. Mit einem stärkeren Sprachmodell schreibt ARGUS den Code sauber, ohne Umwege, und die Zahlen stimmen. Das Modell ist teurer. Deshalb gibt es ARGUS jetzt in zwei Varianten: den günstigen für den Alltag und den stärkeren für Auswertungen und Bilder. Welchen ich nehme, entscheide ich je nach Aufgabe.
## Wie geht es weiter?
Als Nächstes sollen die Auswertungen direkt in Teams landen, zum Beispiel jeden Montag die Ausschussquote der Vorwoche als Karte im Kanal der Fertigung. Und die Werkzeug-Vorschläge von ARGUS sammle ich, um zu sehen, welche Aufgaben ein festes Werkzeug verdienen.
Alle Zahlen und Diagramme in diesem Beitrag stammen aus erfundenen Beispieldaten.
## Für Ihren Betrieb?
Sie haben Messwerte, Listen oder Exporte, die regelmäßig jemand von Hand in Excel auswertet? Sprechen Sie mich an. Oft reicht ein Satz an einen Assistenten, der weiß, wo die Datei liegt.