Viele Firmen im Mittelstand arbeiten mit Microsoft 365, und in der Fertigung fällt früher oder später der Name SAP. Beides hatte mein KI-Arbeitsplatz bisher nicht. Also habe ich ihn angebunden und drei kurze Videos aufgenommen. Hier zeige ich, was darin passiert, wie es dahinter aussieht und was ich dabei gelernt habe.
Wer die ersten Teile noch nicht kennt: In [Teil 1] geht es um die Grundlagen mit Open WebUI auf dem eigenen Server,
in [Teil 2]um den Sprachassistenten ARGUS, Finanzen, Dokumente und Fotos.
## Video 1: Von der Reklamation bis zur Teams-Besprechung
Ein Kunde reklamiert ein Teil. Im Video gebe ich dem 8D-Assistenten drei Aufträge, nacheinander, im selben Chat:
– **Bericht ablegen und bekanntgeben:** Der 8D-Bericht wird als PDF erstellt und in SharePoint abgelegt. Im Teams-Kanal erscheint eine übersichtliche Karte mit Kunde, Status, Frist und einem Knopf zum Bericht.
– **Maßnahmen als Planner-Aufgaben:** mit Verantwortlichem, Fälligkeit und einer echten Checkliste zum Abhaken, nicht nur als Text in der Beschreibung.
– **Teams-Besprechung für die Wirksamkeitsprüfung:** Termin mit Teams-Link, Bericht und Aufgaben stehen gleich in der Einladung.
Bevor die Einladung rausgeht, fragt der Assistent noch einmal nach. Einladungen landen sofort bei anderen, da ist eine Rückfrage Pflicht.
Wichtig war mir die Anmeldung: Der Assistent arbeitet im Namen des angemeldeten Nutzers. Er sieht und darf in Microsoft 365 genau das, was dieser Nutzer auch darf, nicht mehr.
## Video 2: SAP? Hatte ich nicht. Also selbst gebaut.
In den letzten Wochen ist mir ein Begriff immer wieder begegnet: SAP. Selbst damit gearbeitet hatte ich nie. Also habe ich die kostenlose Testumgebung von SAP genutzt und mir eine kleine Demo-Fertigung gebaut:
– **Datenbank:** SAP HANA Cloud im Testzugang
– **Fertigungsdaten wie im MES:** Aufträge, Vorgänge, Rückmeldungen, Maschinenzustände, Störgründe, Stücklisten und Materialbestand
– **Ein nachgebautes S/4** mit den bekannten Tabellen für Aufträge und Rückmeldungen
– **Ein BDE-Simulator,** der die Maschinen live melden lässt
– **Eine kleine MES-Oberfläche** zum Draufschauen
Angebunden ist das an einen eigenen Assistenten, das Fertigungs-Cockpit. Im Video frage ich einfach drauflos: Wie läuft die Fertigung gerade? Welche Aufträge sind im Verzug? Was steht in der Stückliste? Fehlt Material? Die Antwort auf die erste Frage ist ein Hallenplan, auf dem die Maschinen farbig nach ihrem Zustand erscheinen. Bei der letzten Frage findet der Assistent einen Engpass beim Aluminium, die Lieferung kommt erst am 14.10. Zum Schluss informiert er die Fertigung per Karte in Teams und legt eine Planner-Aufgabe mit Checkliste an.
Der Zugriff auf SAP ist bewusst **nur lesend**. Der Assistent stellt feste, vorbereitete Abfragen und kann nichts verändern. Rückmeldungen und Statuswechsel gehören in das System mit seinen Prüfregeln, nicht in die Hand einer KI.
Was ich gelernt habe: Die Datenbank anzubinden ist nicht das Schwierige. Spannend sind die Statuscodes, die Logik der Rückmeldungen und die Zeitzonen. Die Datenbank rechnet in UTC, die Halle in deutscher Zeit.
## Video 3: Eine Microsoft-Liste aus einer Vorlage, direkt im Kanal
Offene Punkte, Urlaubsplanung, Prüfmittel: Vieles davon steckt in Excel-Tabellen, die per Mail herumgehen. In Microsoft 365 gibt es dafür Microsoft Lists, gemeinsam bearbeitbar und direkt in Teams.
Im Video hänge ich ARGUS eine einfache Vorlage an, eine Markdown-Datei mit Überschrift und Tabelle. Daraus wird:
– **eine Liste auf der SharePoint-Seite des Teams,** die alle Mitglieder sehen,
– **Spalten mit dem passenden Typ:** Datum, Zahl, Text, und Auswahlfelder wie „Status (Offen, In Arbeit, Erledigt)“,
– **alle Zeilen als Einträge,**
– **eine Registerkarte im Teams-Kanal,** an der die Liste angeheftet ist.
Statt einer Vorlage reicht auch ein Satz: „Mach mir eine Liste Urlaubsplanung mit Name, Von, Bis, Vertretung und Status.“
## Was die drei gemeinsam haben
– **Kein Workflow-Baukasten und keine Zusatz-Anwendung.** Jede Anbindung ist ein kurzes Python-Werkzeug direkt in Open WebUI. Man sieht im Code, was der Assistent tatsächlich tut.
– **Schreiben nur mit klarem Auftrag.** Ablegen, Posten, Aufgaben und Listen anlegen passiert nur, wenn ich es ausdrücklich sage oder auf Rückfrage bestätige. Einladungen werden immer vorher bestätigt.
– **Die Entscheidung bleibt beim Menschen.** Die KI sammelt, fasst zusammen und bereitet vor. Entschieden wird woanders.
– **Alles in einem Chat.** Statt zwischen ERP, Ablage, Teams, Planner und Kalender hin- und herzuspringen, sagt man einmal, was passieren soll.
Alle Firmen, Reklamationen, Aufträge und Materialien in den Videos sind ausgedacht.
## Für Technik-Interessierte
– **Microsoft 365** über Microsoft Graph mit delegierter Anmeldung. Die Karten in Teams sind Adaptive Cards, die Checklisten in Planner echte Checklistenpunkte.
– **SAP HANA** über den offiziellen Python-Treiber, verschlüsselt, mit schreibgeschützter Verbindung und festen Abfragen.
– **Die KI-Modelle** laufen bei Anbietern in Deutschland und der EU. Die SAP-Testumgebung selbst steht in der SAP-Cloud.
## In eigener Sache
Ich arbeite mich in Neues ein, setze es um und zeige das Ergebnis. Ergebnisse entstehen durchs Machen, nicht durchs Reden. Als Selbständiger hieß das bisher oft: rein ins Projekt, umsetzen, wieder raus. Ich möchte lieber dranbleiben und mit einem festen Team weiterentwickeln. Deshalb suche ich eine Festanstellung im DACH-Raum, in der ich Digitalisierung in Fertigung und Büro konkret umsetze. Wenn das bei Ihnen gebraucht wird, freue ich mich über eine Nachricht.